Ihre Geschichte

Die älteste Satzung der Gesellschaft, Bruderschaft oder auch Gilde – diese Bezeichnungen werden nebeneinander gebraucht – stammt aus dem Jahre 1504. Sie ist auf Pergament geschrieben. Leider ist sie mit anderen wertvollen Stücken der Gesellschaft in den Wirren des 2. Weltkrieges verloren gegangen. Zum Glück blieben der Wortlaut dieses ältesten Statuts sowie der Wortlaut des Schützeneides erhalten.

Landgerichtsdirektor Josef Oppenhoff aus Aachen und der über die Grenzen der Stadt Herzogenrath hinaus bekannte Studienrat Dr. Wilhelm Gierlichs haben sich mit wissenschaftlicher Gründlichkeit mit der Geschichte und mit dem Statut der Gesellschaft aus dem Jahre 1504 befaßt. Sie kamen zu dem Schluß, daß die Gesellschaft schon lange vorher bestanden haben muß. So wird in der Satzung gesagt, daß die Schützen gewohnt waren, der Prozession – gemeint ist die Fronleichnamsprozession – zu folgen. Weiter heißt es, es sei Gewohnheit, daß die Stadt jedem Schützen jährlich das Tuch zur Kogel gebe. Die Kogel war ein Kleidungsstück, das den Kopf und in Form eines Kragens zugleich Hals und Schultern bedeckte. Dieses sind Bemerkungen, die nach Oppenhoff ein längeres Bestehen der Gesellschaft voraussetzen, da sich ja sonst keine Gewohnheit bilden konnte. Auch lag für die Stadt wohl kaum ein Grund dafür vor, einer neugegründeten Gesellschaft so entgegenzukommen. Bezüglich der Kogel sei noch angemerkt, daß die Gilde selbst im Auftrage der Stadt das Tuch kaufte, aus dem die Schützen dann selbst die Kogel herstellen mußten. Der Kauf dieses Tuches zur Kogel war eine sehr wichtige Sache; die Schützenmeister und drei weitere Schützen reisten dafür eigens nach Aachen. Nach dem Kauf des Tuches genehmigten sie sich dann auch noch einen Schoppen Wein – so bezeugen alte Rechnungen aus dieser Zeit, die leider nur bis 1945 erhalten blieben.

Ferner geht aus der Satzung von 1504 hervor, dass die Schützen schon zu diesem Zeitpunkt einen nicht geringen Grundbesitz besaßen, nämlich einen erheblichen Teil des „Graven“, des Stadtgrabens, wo die Schützen ihre Schießübungen abhielten. Nach der Überlieferung schenkte die Stadt Herzogenrath den Schützen den Graben als Dank für ihre tapfere Hilfe bei der Verteidigung der Stadt. Außerdem war es der Gesellschaft nach diesem Statut gestattet, zwei Fuder Wein über dem üblichen Marktpreis zu verkaufen. Diese Erlaubnis zur Preisüberschreitung ist – wie auch die Schenkung des Tuches zur Kogel – als Belohnung für die erwiesenen Dienste aufzufassen, die mithin schon vor 1504 von der Gilde geleistet wurden.

Auch die Vorschrift in der Satzung von 1504, wonach jeder Schütze einen Harnisch, bestehend aus Halskragen, einem Wams mit Ringelpanzer oder auch Rücken- und Brustpanzer, Beinschienen sowie als Kopfbedeckung einen eisernen Hut oder Helm besitzen musste, lässt erkennen, dass die Schützengilde als militärähnliche Abteilung schon lange vor 1504 bestanden haben muss; denn vom 16. Jahrhundert an, insbesondere aber nach der Erfindung der Feuerwaffen, verloren Befestigungsanlagen an Bedeutung, und ihre Verteidigung in der bisherigen Form durch die Schützen war illusorisch geworden.

Diese Fakten, insbesondere die Schenkung der Gräben und des Tuches zur Kogel, sind als Beweis dafür anzusehen, dass die Gilde schon lange vor der Aufzeichnung dieser Satzung von 1504, der später das Wort „Erste“ vorgesetzte wurde, bestanden hat. In dieser Satzung oder diesem Reglement wurden die Rechte und Pflichten der schon lange bestehenden Bruderschaft erstmals zusammengefasst und schriftlich fixiert. In dem Artikel Die Rheinischen Schützengesellschaften von Wilhelm Ewald in der Zeitschrift des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz, erschienen im September 1933, wird darauf hingewiesen, dass die schriftliche Niederlegung längst vorhandener, nicht aufgezeichneter Rechte und Gewohnheiten in Statuten lange nach Gründung der Bruderschaft für die meisten Gesellschaften zutrifft. In diesem Artikel wird ferner darauf hingewiesen, dass die Statuten nicht immer endgültig waren. Sie erfuhren im Laufe der Zeit Ergänzungen. Das Statut der Herzogenrather Gilde, das, wie auch der Schützeneid, in dieser Abhandlung wörtlich wedergegeben wird, wird als Beispiel angeführt. Es wurde in den Jahren 1531, 1559 und 1595 wesentlich erweitert. Auch in den nächsten Jahrhunderten wurde das Reglement durch Änderungen und Ergänzungen stets aktualisiert. Schließlich wird in diesem umfassenden Artikel über die Rheinischen Schützengesellschaften das Jahr 1250 als Gründungsjahr der Herzogenrather Bruderschaft genannt.

In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die Gesellschaft ursprünglich den Namen St. Sebastianus-Bogenschützen-Gesellschaft führte und erst am 2. Juni 1885 ihren jetzigen Namen angenommen hat, um Verwechslungen mit einer im benachbarten Straß neu gegründeten Bogenschützen-Bruderschaft zu vermeiden. Davon abgesehen ist auch der jetzige Name St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft der richtigere, da die Waffe des Schützen immer die gedrungene Armbrust mit der Stahllatte und nicht der längere Bogen mit seiner längeren meist Eschenlatte war.

Blick von Klosterrath auf Burg Rode
Blick von Klosterrath auf Burg Rode

In den Annales Rodenses wurde für das Jahr 1104 erstmals eine feste Burg als „castrum Rodenses“ erwähnt, was übersetzt Burg in der Waldrodung heißt. Die Burg war im Besitz der Grafen von Saffenberg. Seit 1137 gehärte die Burg Rode dem Herzog von Limburg. In einer Fehde des Erzbischofs von Köln, des Grafen von Jülich und anderer Herren mit dem Herzog von Limburg brannten diese die Burg im Jahre 1205 völlig nieder. Ein Jahr später war sie wieder aufgebaut. Im Jahre 1239 eroberte Erzbischof Konrad von Hochstaden die Burg und zerstörte sie vollständig. Aber schon 1240 wurde sie wieder instand gesetzt. Ihr Festungsbereich wurde erweitert. Die Ansiedlung von Handwerkern, Geschäftsleuten und Bauern, die sich im Schutz der Burg niedergelassen hatten, wurde mit in den Festungsbereich einbezogen. Zum Schutze und zur Verteidigung der Burg und dieses befestigten Platzes – s´Hertogenrode – mit seinen drei Toren, seinen Wachtürmen, Mauern, Gräben und Wällen reichte die aus Söldnern der Herzöge von Limburg bestehende Burgbesatzung nicht mehr aus. Selbstverteidigung wurde zwingend erforderlich und war Bürgerpflicht. Es entstand eine Bürgerweht. Aus ihr ging im Jahre 1250 die heutige St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft hervor – ursprünglich auch Bruderschaft oder auch Gilde genannt – „Die Beschützer und Verteidiger von Burg und Stadt Rode“. Die Bewaffnung der Schützen bestand aus der Armbrust mit zugehörigem Gerät. Außerdem musste jeder Schütze ein silbernes Brustschild tragen. Die Schützen waren geschworene Schützen der Stadt von Rode. Jeder Neuaufgenommene leistete in die Hand des Hauptschultheißen oder des Bürgermeisters einen feierlichen Eid. Der Wortlaut dieses Schützeneides war im heutigen Sprachgebrauch wie folgt formuliert:

So spreche ich, daß ich eingestellt werd als einem geschworenem Schütz der Stadt von Rode. So werd ich treu und hold sein, Gott vom Himmelreich, Maria seiner Mutter, St. Lambert als Patron dieser Kirche und St. Sebastian als Patron der Schützengesellschaft. Auch gelobe ich, treu und hold zu sein den Schützenmeistern und allen Bescheidungen derselben gehorsam zu sein; will auch treu und hold sein den Bürgermeistern als Beihelfer und Vorständer der Schützenmeister, gelobe auch treu und hold zu sein den gemeinen Schützen und all ihre Heimelichkeiten nicht zu vermelden. Dies gelobe ich fest und stets zu halten, so mir Gott helf und seine lieben Heiligen. Amen.

Der Wortlaut dieses Eides läßt die enge Verbindung der Schützen mit der Stadt Herzogenrath erkennen. Die Aufgabe der Schützen bestand in der Ausbildung der Bürger mit Waffen, insbesondere mit der Armbrust, der Aufsicht über die Befestigungsanlagen und im Kriegsfalle in der Verteidigung von Burg und Stadt.

Im Jahre 1283 belagerte ein brabantisches Heer unter Führung des Ritters Winnemar von Gijmnich, verstärkt durch Maastricher und Aachener Truppen, die Feste s´Hertogenrode. Durch den Pfeilschuß eines Armbrustschützen wurde Ritter Winnemar von Gijmnich tödlich verletzt, worauf die Belagerer entmutigt abzogen. Dieser Schütz von Rode ist als Urahn in die Geschichte der Gesellschaft eingegangen. Eine Bronze-Relief dieses Schütz von Rode, ein Werk des Künstlers Kurt-Wolf von Borries, ist an der Wand von Burg Rode angebracht und hält so die Erinnerung an seine rettende Tat wach. Es wurde von der Familie des ersten Ehrenschützen Ferdinand Bernhard Schmetz gestiftet und am 27. April. 1973 von Frau Schmetz un dem damaligen 1. Schützenmeister der Gesellschaft, Herrn Heinrich Marbaise, enthüllt.

Enthüllung Schütz von Rode
Enthüllung Schütz von Rode

Im Jahre 1622 schenkte die Infantin Isabella Clara Eugenia von Spanien (1566 – 1633), Tochter Philipps II., Statthalterin der spanischen Niederlande, als sie in Herzogenrath weilte, den Schützen eine kunstvoll gestickte Fahne als Dank für deren Einsatz auf der Seite Spaniens während der niederländischen Unabhängigkeitskriege.
Isabella Clara Eugenia
Isabella Clara Eugenia

Diese Fahne zeigte das auf dunkelroter Seide gestickte aragonisch-sizilianische Wappen, umgeben von der Kette des goldenen Vlieses und einer Reihe von Buchstaben, die den Namen Isabella Clara erkennen ließen. Durch Ausbesserungen im Laufe der Jahre sind die Buchstaben zum Teil ausgeschnitten und neu aufgenäht und dabei anscheinend durcheinandergeworfen worden. Die Jahreszahl 1718, die später auf der Fahne erschien, bedeutete wohl das Jahr der Instandsetzung. Die Rückseite der Fahne zeigte das Bild des heiligen Sebastian.
Fahne der Gesellschaft
Fahne der Gesellschaft

Fahne der Gesellschaft
Fahne der Gesellschaft

Im Protokoll der ersten Generalversammlung der Gesellschaft nach dem zweiten Weltkrieg ist zu lesen, dass diese kostbare Fahne mit anderem wertvollem Eigentum der Schützen während des Krieges abhanden gekommen ist. Auch in späteren Abhandlungen über die St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 Herzogenrath wird immer wieder gesagt, daß dieses Geschenk der Isabella Clara Eugenia entweder gestohlen oder vernichtet wurde. Inzwischen wurde jedoch einen Fahnenrest gefunden, der durchaus ein Stück dieser Fahne aus dem Jahre 1622 sein könnte. Darüber jetzt zu diskutieren, ist müßig. Erst Spezialuntersuchungen dieser Stoffreste werden möglicherweise Klarheit darüber bringen können, ob sie dieser Zeit zuzuordnen sind.

Nach der Erfindung der Feuerwaffen verlor Roda als Festung an Bedeutung, die Armbrust hatte als Waffe ausgedient. Aus der der Verteidigung der Feste s`Hertogenrode dienenden militärähnlichen Abteilung, wie es die Schützengilde lange gewesen war, wurde eine mehr der Geselligkeit, der Pflege der Tradition und des Armbrustschießens dienende Gesellschaft.

Das Schießen mit der Armbrust wurde auf der Schiefbahn oder Scheibenbahn, an der südlichen Stadtmauer in der Gegend der heutigen Schütz-von-Rode Straße, durchgeführt. Die besondere Art dieser Schießübungen auf der Schiefbahn wird in dem Abschnitt St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 Herzogenrath – Ihr Schießen näher beschrieben.

Die Bürgermeister der Stadt Herzogenrath spielten bei den Schützen eine große Rolle. So werden sie im Schützeneid als Beihelfer und Vorständer der Schützenmeister bezeichnet. Herzogenrath hatte früher zwei Bürgermeister; etwa seit 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts gab es nur noch einen. Die Bürgermeister scheinen bei wichtigen Beschlüssen der Schützengesellschafft in ihrer amtlichen Eigenschaft mitgewirkt zu haben. So unterzeichnete H.W. Cox ein Dokument als erster mit dem Zusatz regierender Bürgermeister, während sich die Schützenmeister als solche und die Schützen als geschworene Schützen bezeichneten. Neben H.W. Cox seien aus früherer Zeit noch folgende Bürgermeister erwähnt: um 1580 Robert Weirts, 1743 Heinrich Thyssen, 1753 Wilhelm L. Gülpen, 1771-1787 Franz Alexander Cox, der 1770 und 1771 Schützenkönig und 1772 Schützenkaiser wurde. Die Bürgermeister nahmen bei Streitigkeiten zwischen den Schützenmeistern und den Schützen eine Art schiedsrichterliche Stellungen ein. Anderseits konnten die Schützenmeister bei Nichtbefolgen ihrer Anordnungen durch die Schützen die Bürgermeister um ihren Beistand anrufen, worauf diese den Fall entschieden. Auch Strafgelder und Pacht, die nicht bezahlt wurden, zogen die Bürgermeister eine Zeit lang ohne gerichtliches Verfahren in einer Art Verwaltungszwangsverfahren ein. Selbstverständlich konnten die Schützenmeister und Schützen, also die ganze Gilde, auch selbst bei Streitigkeiten oder bei Verstößen gegen das Reglement entscheiden.

Über die Aufnahme in die Gesellschaft enthalten nur jüngere Satzungen eine Bestimmung. Im Reglement von 1773 heiß es, daß der Aufzunehmende von ehrlichem Charakter, von gutem Namen, aus guter Familie und von gutem Benehmen sein müsse. Das Statut von 1818 lässt jeden rechtschaffenen Mann von durchaus unbescholtenem Ruf und unterschiedlicher Religion zu, während am 19. Februar 1832 beschlossen wurde, daß niemand aufgenommen werden könne, der in eines anderen Dienst stehe und dabei knechtliche Arbeit verrichten müsse. Nach der jetzt gültigen Satzung kann jeder großjährige Mann von unbescholtenem Rufe, welcher nichts aktives Mietglied einer anderen Schützengesellschaft ist, in die Gesellschaft aufgenommen werden.

Über die Aufnahme entscheidet die Gesellschaft die Gesellschaft heute durch die Ballotage auf der jährlichen oder auf einer außerordentlichen Generalversammlung. Die Ballotage ist geheim. Jeder Schütze ist verpflichtet zu ballotieren und entscheidet sich mit einer weißen für oder mit einer schwarzen Kugel gegen die Aufnahme des Bewerbers. Die Stimmkugel wird in die Wahlurne gelegt, die zweite Kugel in einen Nebenbehälter zur Gegenkontrolle. Das Resultat der Ballotage wird von den beiden Schützenmeistern festgestellt. Zur Aufnahme sind dreiviertel der Stimmen sämtlicher Schützen erforderlich. Der Neuaufgenommene spricht das vorgeschriebene Gelöbnis mit folgendem Wortlaut:

Ich gelobe und verspreche hierdurch auf Ehrenwort,
die Statuten der St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft
Anno 1250 Herzogenrath nicht nur in allen Punkten genau zu beachten,
sondern mich auch den von der Gesellschaft vorschriftsmäßig
gefassten Beschlüssen gutwillig zu unterwerfen.

Nach der Eidesleistung hatte in früherer Zeit der neu aufgenommene geschworene Schütz ein Eintrittsgeld zu zahlen. Auch heute spendet der neue Schütze an die Gesellschaft.
Die Zahl der Mitglieder durfte in früherer Zeit 24 nicht übersteigen, war aber, wie aus der Zahl der Unterschriften unter Dokumenten aus dem 17.,18. Und 19. Jahrhundert hervorgeht, in der Regel geringer. Ihre Zahl ist mittlerweile unbeschränkt. Mit Rücksicht auf die Sicherheit am Schießstand dürfen sich während des Schießens nur 18 Schützen am Schießstand befinden.

Fortlaufende vollständige Mitgliederlisten gibt es nicht mehr. Aus alten Urkunden und Rechnungen, die Josef Oppenhoff noch im Jahr 1921 zur Verfügung standen, im 2. Weltkrieg aber verloren gingen, ging hervor, daß die Mitglieder sowohl aus guten Bürgerkreisen stammten als auch Persönlichkeiten waren, die in Kirche, Stadt und Land in höheren Ämtern waren. Dazu zählten u.a.: Johannes Wormbs, Abt zu Klosterrath (1564), der Drossart Konrad von Thomberg (1598), Drossart Trips von Linteren, Bürgermeister Kaspar Cremer, Merten Ackens – Schöffe zu Kirchrath, J.J. Baron Dotellerie de Falloize – chatelain et amand in Stadt und Land von Rudolc, Karl Corneli – geboren in Hofstadt 1771 sowie der weit über Herzogenraths Grenzen bekannte Peter Furhmanns, der zeitweise gleichzeitig Herzogenrath, Merkstein, Rimburg, Alsdorf und Bardenberg verwaltete – König 1857, 1860, 1862. Seit dem Jahre 1850 war er zwanzigmal Schützenmeister.

An der Spitze der Gesellschaft standen und stehen auch heute zwei Schützenmeister. Eine gewisse Zeit lang wurden sie Capitäne genannt. Am Sebastianustag wurden sie jedesmal für ein Jahr gewählt. Sie erhielten in früheren Zeiten für ihre Arbeit und Zeitversäumnis eine Entschädigung, z.B. im Jahre 1554 und 1556 vier Quart Wein, 1598 acht Mark. Weil die Schützenmeister zeitweise nicht lesen und schreiben konnten, wurde im Jahre 1773 ein Schreiber angestellt, der Dokumente, den silbernen Vogel und die silbernen Königsschilder verwahren und außerdem die Kasse führen sollte. Der silberne Vogel wurde im Jahre 1528 angeschafft. Er war zierlich, in feinem Silber gearbeitet. Im Jahre 1806 wurde der im Laufe der vielen Jahre etwas lädierte Vogel aufgearbeitet und mit einem neuen silbernen Schild und zwei neuen versilberten Lanzen versehen. Im Jahre 1820 wurde der Vogel eingeschmolzen und in die Gestalt eines preußischen Adlers mit übergoldeter Platte auf der Brust umgearbeitet.

Heute besteht der Vorstand der Gesellschaft aus dem 1. und 2. Schützenmeister, dem Rendanten und dem Schriftführer. Ein weiteres Ehrenamt war und ist das des Fähnrichs, der bei festlichen Aufzügen die Fahne tragen mußte und auch heute noch trägt. Die Fahne der Gilde wurde erstmals im Jahre 1562 in Rechnungen erwähnt. Im Jahre 1770 wurde diese alte seidene Fahne verkauft und im Jahre 1771 eine neue angeschafft. Diese Fahne wurde vermutlich bis zum 28. Juni 1846 gebraucht. An diesem Tag erhielten die Schützen eine neue Fahne, die von den Damen der Gesellschaft gestickt und geschenkt wurde. Diese Fahne ging im 2. Weltkrieg ebenfalls verloren.

Der Fähnrich wurde in früherer Zeit nicht gewählt, sondern das Amt wurde an einen Schützen verpachtet oder unter ihnen versteigert. Der Preis, der bei der Versteigerung geboten wurde, betrug z.B. 1742 laut Josef Oppenhoff 3 Tonnen Bier, 1770 und 1781 2,5 Tonnen Bier. Der Fähnrich behielt sein Amt bis an sein Lebensende. Wurde er jedoch im Laufe der Jahre der älteste Schütze, oder konnte er aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nicht weiter ausüben, so mußte er es abgeben. Heute bekleidet der an Schützenjahren jüngste Schütze das Amt des Fähnrichs.

Der Sebastianustag war der Hauptfesttag der Schützengesellschaft. Zu den Veranstaltungen dieses Festtages mußten die Schützen mit Kogel und Brustschild erscheinen. Wie aus Berichten des Jahres 1688 hervorging, wurde er eingeleitet durch eine festliche Messe in der Pfarrkirche von Herzogenrath, die 1564 errichtet worden war. Die Festmesse wurde am Sebastinus-Altar dieser Kirche gelesen. In der Zeit vor 1564 haben die Schützen ihren Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Lambertus in Kirchrath gehalten. Nach der Festmesse fand die jährliche Hauptversammlung mit Kassenbericht, Neuwahl der Schützenmeister, Aufnahme neuer Mitglieder und Verpachtung des Grundbesitzes der Gesellschaft statt. Es folgte ein Mittagsmahl auf Kosten der Gesellschaft, das von den Schützenmeistern zusammen mit dem König vorbereitet wurde. Bis zum Verlust im 2. Weltkrieg lag noch eine Rechnung des Essens aus dem Jahre 1553 vor. Danach wurden von den Schützen verzehrt: 4 Rheinfische, 2 Pfund Stockfisch, 11 Bücklinge, 18 Heringe, 2,5 Pfund Butter und 2,5 Pfund Käse. Am Tage nach St. Sebastian wurde ein feierliches Seelenamt für die im vergangenen Jahr verstorbenen Schützen gehalten.

Heute ist es so, daß am Tage der Generalversammlung, die immer an dem Sonntag im Januar stattfindet, der dem Sebastianustag am nächsten liegt, eine Messe für die verstorbenen und am Schützenfestsonnatg eine Messe für die lebenden Mitglieder gefeiert wird. Diese Messen beruhen auf Stiftungen, über die in dem Abschnitt St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 Herzogenrath – Ihre Beziehungen zur Kirche berichtet wird. Traditionsgemäß werden dann auf der Generalversammlung wie in alter Zeit der Vorstand neu gewählt, eventuelle Neuaufnahmen vorgenommen, der Kassenbericht vorgelegt und weitere Regularien erledigt. Das traditionelle Schützenessen findet am Sonntag vor Mittfasten – dem Sonntag „Laetare“ – statt.

Der zweite Festtag der Gesellschaft war der Johannestag, der 24. Juni. Auch an diesem Tag hatten die Schützen mit Kogel und Brustschild zu erscheinen. In früherer Zeit fand an diesem Tag der Königsvogelschuß statt. Kurz vor dem Erlaß des Reglements vom 21. Januar 1773 wurde der Johannestag als Festtag abgeschafft. Heute findet der Königsschuss am ersten Sonntag im Juli statt.

Der König war verpflichtet, der Gesellschaft ein mit seinem Namen versehenes Schild zu stiften, das an den silbernen Vogel angehängt wurde. Die Zahl dieser Schilder wuchs im Laufe der Jahre stark an. Um anfallende größere Ausgaben tätigen zu können, griffen die Schützen verschiedentlich auf ihren Silberschatz zurück und verkauften alte Schilder. So kaufte z.B. im Jahre 1772 der Goldschmied G.W. Dautzenberg in Aachen vom Bürger- und Schützenmeister Cox 28 silberne Schilder. Der Erlös wurde zur Bezahlung des damals neu erbauten Schützenhauses mit verwandt. Nach den Recherchen von Josef Oppenhoff besaß die Gesellschaft bis zum 2. Weltkrieg das Kaiserschild von Schultheiß Heinrich Poyck aus dem Jahre 1642, das Königsschild von Pastor Melchior Trümpener aus dem Jahre 1669 sowie Schilder aus dem 18., 19. und 20. Jahrhundert. Wie Hermann Dunkel, Schriftführer des nach dem 2. Weltkrieg am 18. Januar 1947 neu gewählten Vorstandes, in seinem ersten Bericht schrieb, besaß die Gesellschaft bis zu den Wirren dieses Krieges auch noch die Kaiserschilder von Bürgermeister Franz Alexander Cox aus dem Jahre 1772 und von Julius Corneli aus dem Jahre 1844, die mit anderem wertvollem Eigentum der Gesellschaft vernichtet oder gestohlen wurde.

Die Schilder zeigten neben dem Namen des Königs und dem Jahr des Königsschusses häufig einen Sinnspruch, ein Gedicht oder das Familienwappen. Manchmal fanden sich auch, zum Teil künstlerisch wertvoll gestaltet, Anspielungen auf zeitgeschichtliche Ereignisse: zum Beispiel 1814 „Jahr der Entmachtung Napoleons“, 1842 „Jahr der Grundsteinlegung zum Weiterbau des Kölner Domes“, 1848 „anno resurrectionis democratiae. pereunt reges, nascitur res publica“ (Dr.med. Cudell).

Auch die heutigen Königsschilder zeigen neben dem Namen des Königs und dem Jahr des Königsschusses Hinweise auf seinen Beruf, seine Heimatstadt oder auf zeitgeschichtliche Begebenheiten. Eine ausführliche Darstellung unseres Königssilbers mit den anspruchsvollen und wertvollen Königsplaketten wird in dem Abschnitt St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft anno 1250 Herzogenrath – Ihr Schützensilber gegeben.

Neben dem Königsvogelschuß wurden ein oder mehrere Preisschießen veranstaltet, deren Preise teils vom Kaiser und König, teils von den sich beteiligten Schützen, teils aus der Kasse der Gesellschaft gestiftet wurden. An diesen Schießwettbewerben, auch Schießspiele genannt, nahmen auch Schützen auswärtiger Gesellschaften teil. So wurden schon 1563 auswärtige Schützen erwähnt. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dürfte der Besuch fremder Schützen zu diesen Schießspielen ziemlich regelmäßig gewesen sein. Auch die Herzogenrather Gilde schickte mehrfach einige Schützen auf Kosten der Gilde zu Schießwettbewerben anderer Bruderschaften. So wurde von 1760 an über viele Jahre hinweg das Preisschießen bei den Hirschschützen in Aachen besucht, 1768 und 1775 das der St. Sebastianus Gesellschaft in Aachen, 1790 das der Frankenberger Schützengesellschaft in Burtscheid. Im Jahre 1765 ging es nach Brügge und 1774 und 1775 nach Jülich. In einem dieser in Jülich veranstalteten Preisschießen, zu dem nur Herzogenrather und Aachener Schützen eingeladet waren, und zu dem 12 Schützen aus Jülich, 10 aus Aachen und 3 aus Herzogenrath erschienen waren, schnitten die Herzogenrather Schützen erfolgreich ab.

Im Jahre 1617 entstand in Kirchrath eine eigene Kirchrather Schützengilde – die „St. Sebastianus Schuttersbroederschap“. Zwischen dieser neuen Kirchrather Gilde und der älteren Herzogenrather Gesellschaft gab und gibt es auch heute noch viele Gemeisamkeiten. Die Statuten der Kirchrather Schützen stimmen weitgehend mit denen der Herzogenrather Gesellschaft überein. Bürger und Persönlichkeiten aus Herzogenrath waren Mitglieder der Kirchrather Gilde, wie auch umgekehrt Kirchrather Bürger und Amtsträger der Herzogenrather Bruderschaft angehörten. So errang im Jahre 1666 der Herzogenrather Bürger Henricus Dautzenbergh die Königswürde der Kirchrather Bruderschaft. Heinrich Poyck, Mitglied der Herzogenrather Gesellschaft und 1642 derer Kaiser, gehörte ebenfalls dieser neu gegründeten Gilde an und errang dort in den Jahren 1633 und 1634 die Königs- und im Jahre 1651 die Kaiserwürde.

Wie besonders im 17. und 18. Jahrhundert besteht nach wie vor ein enges freundschaftliches Verhältnis zwischen den beiden Gesellschaften. Man besucht gegenseitig die Schützenfeste, und Mitglieder der Kirchrather Bruderschaft sind regelmäßig Gäste des Schützenessens und des Herbstballes mit Königsehrung der Herzogenrather Gesellschaft. Sowohl an der 700- als auch an der 725- Jahrfeier der Herzogenrather Schützen nahm die „St. Sebastianus Schuttersbroederschap 1617 Kerkrade“ in vollem Ornat teil. Ihr König trug sämtliches noch vorhandenes Königssilber, darunter das älteste Schild aus dem Jahre 1617. Dieses war besonders beachtenswert, da es laut Statut nicht außerhalb der Stadt- und Staatsgrenzen getragen werden durfte. Am 21. Mai 1967 nahmen fünf Mitglieder der Herzogenrather Gesellschaft an der 350-Jahrfeier der Kirchrather Bruderschaft teil. Ferner waren die Herzogenrather Schützen zusammen mit den Eygelshovener- und Merksteiner Schützen Gäste bei den festlichen Veranstaltungen ihres 375-jährigen Bestehens.

Der Erste Weltkrieg hatte Auswirkungen auch auf das Leben der St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250. Die Schützenfeste fielen – wie auch schon in früheren Jahrhunderten in Kriegs- und Notzeiten – aus. Einige Schützen oder deren Söhne waren an der Front, die meisten jedoch auf Grund ihres Alters nicht kriegsdienstfähig. Aber wo Not war, da versuchte man, sie zu lindern. Man unterstütze finanziell das Rote Kreuz. Es wurden Kriegsanleihen gezeichnet. Die Gesellschaft stellte größere Geldbeträge als Sofortmaßnahme zur Linderung der Not in Herzogenrath zur Verfügung.

Die erste Generalversammlung nach dem Ersten Weltkrieg fand am 20. Januar 1919 statt, und man beschloß, die Veranstaltungen der Gesellschaft nach alter Tradition aufleben zu lassen. Aber die Not und die Umstände der Nachkriegsjahre ließen erst im Jahre 1922 ein Schützenfest in bescheidenem Rahmen zu. Erst vom Jahre 1924 an konnte man es wieder in althergebrachter Weise feiern.

Mit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 änderte sich für die St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 viel. Sie wurde im Jahre 1935 dem Deutschen Schützenbund angegliedert. Man zwang sie, ihren alten Namen aufzugeben. Sie mußte sich fortan Armbrustschützen-Gemeinschaft Herzogenrath nennen. Es wurde ihr verboten, bei Umzügen ihre eigene Fahne zu tragen. Das Auftreten im Stresemann und mit Zylinder, also in der offiziellen Schützenkleidung, wurde untersagt und statt dessen eine Einheitsuniform gefordert. Die Schützen widersetzten sich eine Zeit lang dieser Anordnung und schafften schließlich nur den Einheitsschützenhut an. Sie marschierten in den Jahren 1937-39 in den verschiedensten Sport- oder Jägeranzügen mit Schützenhut auf.
Der Stresemann, der auch heute noch mit dem Zylinder die offizielle Schützenkleidung ist, löste in den Jahren 1927-28 den schwarzen Anzug mit dem sogenannten Gehrock, der um das Jahr 1880 schon lange der Schützenanzug war, ab.

Aufzug der Schützen in der NS-Zeit
Aufzug der Schützen in der NS-Zeit

Trotz der Querelen im Dritten Reich feierte man im Jahre 1937 – verbunden mit dem Schützenfest – „Hundert Jahre Schiessen am Fuchsberg“. Als Gäste waren die Schützen aus Jülich, die Waldfeuchter Armbrustschützen-Gesellschaft und der Vorstand des Aachener Geschichtsvereins, der an der Geschichte der Gesellschaft sehr interessiert war, erschienen.

Durch den Zweiten Weltkrieg hat die St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 stark gelitten. Zur letzten Generalversammlung traf man sich am 23. Januar 1941. Während des Zweiten Weltkriegs und bis zum Jahre 1947 fanden keine Veranstaltungen der Gesellschafft statt. Auf der ersten Generalversammlung nach dem Kriege am 18. Januar 1947 wurde ein neuer Vorstand mit Herrn Heinrich Marbaise als 1. Schützenmeister gewählt. Auf der Generalversammlung am 15. Januar 1972 bat er, im 91. Lebensjahr, von einer Wiederwahl Abstand zu nehmen. Seinem Wunsche wurde entsprochen und wegen seiner Verdienste um die Gesellschaft wurde er zum Ehrenschützenmeister ernannt.

700-Jahr-Feier
700-Jahr-Feier

Herr Marbaise gehörte mehr als 63 Jahre der Gesellschaft an; nach 50-jähriger Mitgliedschaft errang er im Jahre 1960 zum ersten Mal die Königswürde. Er verstarb im Alter von 92 Jahren am 15.Oktober 1973.

Als seinen Nachfolger hatte er auf der Generalversammlung am 15. Januar 1972 den bisherigen 2. Schützenmeister Dipl.-Ing. Erich Offermanns vorgeschlagen, der dann auch einstimmig von der Generalversammlung gewählt wurde. Herr Erich Offermanns war sieben Jahre 1. Schützenmeister und mußte aus gesundheitlichen Gründen auf der Generalversammlung am 21. Januar 1979 dieses Amt niederlegen. Er hatte sich ebenfalls um die Gesellschaft verdient gemacht und wurde daher auch Ehrenschützenmeister.

Im Januar des Jahre 1947 lebten noch 12 Schützen, von denen neun an der Generalversammlung am 18. Januar teilnahmen. Es waren: Hermann Dunkel, Dr. Peter Esser, Felix Fiseni, F.A. Keller, Heinz Krückels, Peter Krückels, Heinrich Marbaise, Erich Offermanns, Karl Savelsberg. Der Vorstand bestand aus folgenden Herren: 1. Schützenmeister Heinrich Marbaise, 2. Schützenmeister Peter Krückels, Rendant Karl Savelsberg, Schriftführer Hermann Dunkel.

Brustschild für das Königssilber
Brustschild für das Königssilber

Die Schützen stellten fest, daß wertvolles Eigentum der Gesellschaft vernichtet oder gestohlen worden war. Es fehlten Reste einer Fahne aus dem Jahre 1562 sowie Fahne aus dem Jahre 1846. Ferner wurden vermißt: alle alten Königsschilder, 2 Kaiserschilder aus den Jahren 1772 und 1844, alle alten Urkunden und Belege, auch die auf Pergament geschriebene Satzung aus dem Jahre 1504. Auch Gerätschaften wie Bögen, Winden und Pfeile waren abhanden gekommen. Aber man resignierte nicht, sondern fing von Null wieder an und versuchte trotz aller Schwierigkeiten, die St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 wieder zu dem zu machen, was sie immer war.

Das alte Schützenstatut wurde wieder in Kraft gesetzt, der ursprüngliche Name wieder eingeführt, die Einheitsschützenhüte hatten ausgedient, die Schützen zogen wieder in ihrem Schützenanzug und mit Zylinder als die Zylinderschützen zum Fuchsberg. Im Hinblick auf die Bezeichnung der Gesellschaft sei erwähnt, daß nach Beschluß im Jahre 1969 das Gründungsjahr in die Bezeichnung mit aufgenommen werden sollte. Auf der Generalversammlung am 24. Januar 1948 wurde Heinz Krückels 2. Schützenmeister. Im diesem Jahr wurde das erste Schützenfest nach dem Kriege gefeiert. Peter Krückels wurde bei diesem Schützenfest zum Ehrenschützenmeister ernannt.

Zum Schützenfest 1950 wurde eine neue Fahne beschafft und geweiht, eine Nachbildung der Fahne der Infantin Isabella Clara Eugenia aus dem Jahre 1622. Infolge der Schwierigkeiten in den Nachkriegsjahren konnte erst 1951 das 700-jährige Bestehen der Gesellschaft gefeiert werden. Am Samstag, dem 30. Juni 1951, fand abends ein Festakt im Zelt am Fuchsberg statt. Der 1. Schützenmeister Heinrich Marbaise begrüßte die Ehrengäste und Bürger. Sonntags, am 1. Juli, legten die Schützen nach dem feierlichen Gottesdienst in St. Mariä Himmelfahrt einen Kranz am Ehrenmal nieder und zogen anschließend zum Fuchsberg zum Frühschoppen und um den Königsvogel aufzusetzen. Nachmittags zog der Festzug mit den Ortsvereinen, den Kirchrather Schützen in vollem Ornat, den Merksteiner Schützen, den Jülicher Schützen und einer Abordnung des Aachener Geschichtsvereins durch die geschmückten Straßen, die von hunderten Herzogenrather Bürgern und auswärtigen Gästen gesäumt waren, zum Schießplatz. Schützenkönig wurde in diesem Jubiläumsjahr der Schütze Albert Heinen. Am Abend gab die Stadt auf der Burg einen Empfang. Mit dem Königsball im Festzelt ging der festliche Tag zu Ende. Am 2. Und 3. Juli wurden die Preisvögel geschossen. Am Montagabend fand man sich zum Festball im Zelt ein, und den Abschluss bildete am Dienstagabend der Schlußball.

Zu diesem Jubiläum schenkte die Jülicher Schützengesellschaft eine kleine silberne Armbrust, die zusammen mit dem Königssilber bei den Aufzügen der Gesellschaft getragen wird. Die Herzogenrather Ortsvereine überreichten durch Herrn Dr.med. Dewies ein silbernes Brustschild. Dieses Schild soll an die silbernen Brustschilder erinnern, die in früherer Zeit von den Schützen getragen werden mussten. An diesem Schild ist ein Teil der Schützenplaketten befestigt.

Im Jahre 1955 wurde Herr Ferdinant Bernhard Schmetz, über die Grenzen Herzogenraths hinaus bekannter Nadelfabrikant und großzügiger Förderer und Gönner der Gesellschaft, zum bisher einzigen Ehrenschützer ernannt.

Parteipolitisch neutral, aber auf politische Ereignisse äußerst bewusst und konsequent reagierend, ließen die Schützen in den Jahren 1956 aus Protest gegen die Unterdrückung der Aufstandes der Ungarn durch die Sowjetunion und 1961 aus Protest gegen den Mauerbau in Berlin ihren traditionellen Herbstball mit Königsehrung ausfallen.

Im Jahre 1975 feierte die St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 ihr 725-jähriges Bestehen. In Wüdigung dieses Ereignisses brachte der Stadtverband Herzogenrather Kraneval in diesem Jahr ein verkleinertes Abbild der bekannten, am Eingang der Burg angebrachten, Bronze-Plastik des Schütz von Rode als Prinzenorden heraus. Mit der damaligen Kreissparkasse Aachen konnte anläßlich dieses gewiss nicht alltäglichen Jubiläums eine Silbermedaille geschaffen werden. Diese zeigt auf der Vorderseite den Schütz von Rode und die Inschrift „1250-1975, 725 Jahre St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Herzogenrath“ und auf der Rückseite das Schützenwappen mit dem Limburgischen Löwen des Stadtwappens – ergänzt mit einer Armbrust.

Vom 19. Juni bis 4. Juli 1975 fand in der Kassenhalle der Niederlassung der Kreissparkasse Aachen in Herzogenrath eine Ausstellung mit Königssilber, alten und neuen Bögen, mit Dokumenten und Protokollbüchern nicht nur aus Herzogenrath, sondern auch aus Rolduc, Kirchrath, Arnheim, Maastricht und Düsseldorf statt. Zudem wurden alte Herzogenrather Urkunden, Siegel und alte Münzen gezeigt. Auch die St. Sebastianus Schuttersbroederschap Kerkrade 1617, die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Merkstein 1633 sowie die St. Sebastiani Schützenbruderschaft des ehemaligen Ländchens zur Heyden 1288 hatten Sehenswertes ausgestellt.

Eine Briefmarkensonderausstellung mit dem Schwerpunkt Schützenwesen, verbunden mit einem Tauschtag, veranstaltet von dem Herzogenrather Briefmarken Sammler-Verein, sowie ein Sonderpostamt mit einem Sonderstempel an den Tagen des Schützenfestes rundeten die Rahmenveranstaltungen der Jubiläumsfeierlichkeiten ab.

Das traditionelle Schützenessen wurde in größerem Rahmen gehalten. Der 1. Schützenmeister Dipl.-Ing. Erich Offermanns konnte von der Stadt Herzogenrath den Bürgermeister Herrn Schultheis und den Stadtdirektor Herrn Römer, von der Stadt Kerkrade den Bürgermeister Herrn Smeets begrüßen. Ebenso hieß er den Schützenkaplan Herrn Pastor Fuhren, damals Dechant des hiesigen Dekanates, sowie die Geistlichen der Pfarre St. Gertrud Herrn Domsel und Herrn Reuters willkommen. Abordnungen der Schützen aus Kerkrade, Merkstein, Herzogenrath-Afden sowie des ehemaligen Ländchens zur Heyden nahmen an diesemSchützenessen teil.

Am Schützenfestsamstag, dem 5. Juli 1975, schossen die Schützen den Scheibenpreis. Den Abend beschloß das Trommler- und Pfeifferkorps Herzogenrath zu Ehren der Gesellschaft mit dem großen Zapfenstreich. Der eigentliche Festtag, Sonntag 6. Juli 1975, begann mit dem festlichen Gottesdienst in der Kirche der Schützen St. Mariä Himmelfahrt. Nach der Kranzniederlegung am Ehrenmal ging es zum Aufsetzten des Königsvogels und Frühschoppen zum Fuchsberg. Bei herrlichem Sommerwetter zogen am Nachmittag die St. Sebastiani Armbruststützen, begleitet von allen Herzogenrather Schützenbruderschaften sowie den Schützen aus Kirchrath und Jülich, im Festzug durch die mit vielen Fahnen geschmückte und von vielen Bürgern und auswärtigen Gästen gesäumte Innenstadt zum Fuchsberg. Dort fand sich eine beachtliche Menge interessierter Zuschauer ein. Der Königsvogelschuss bei diesem Jubiläumsschützenfest war eine Sensation. Der Schütze Dr. Peter Esser hatte in den ersten zwei Runden nicht mitgeschossen. Angeregt durch den Sohn eines Schützen nahm er dann doch in der dritten Runde eine Armbrust zur Hand, ließ von diesem einwinden, legte einen Pfeil zu seinem ersten Schuss auf, und genau dieser eine Schuss war der entscheidende Treffer. Seitdem wurde er nur noch „Peter der Einpfeilige“ genannt. Dr. Peter Esser errang mit diesem einen Schuss zum vierten mal die Königsrunde. Am Abend gab die Stadt Herzogenrath auf der Burg einen Empfang, an dem Vertreter des Kreises Aachen, der Stadt Kerkrade sowie die Schützenbrüderschaften teilnahmen. Darüber hinaus waren Bürger der Stadt Herzogenrath und auswärtige Gäste in großer Zahl erschienen. Am Montag den 7. Juli 1975, wurde bei wieder herrlichem Wetter die Preisvögel geschossen. Am Abend wurde der König Dr. Peter Esser gefeiert. Der Königsball am Sonntag, dem 12. Juli 1975, beendete die Jubiläumsfeierlichkeiten.

Dr. Peter Esser, der Einpfeilige
Dr. Peter Esser, der Einpfeilige

In den Jahren 1978 und 1979 hatte der Schütze Hans-Dieter Heinen die Königswürde errungen. Würde er 1980 nochmals den Königsvogel von der hohen Stange holen, so hätte die Gesellschaft nach 136 Jahren wieder einen Kaiser. In der dritten Runde des Schießens gelang ihm der entscheidende Treffer – der Vogel fiel – Hans-Dieter Heinen war der fünfte Kaiser in der langen Geschichte der Gesellschaft. Das seltene und bedeutende Ereignis wurde von einem Kamerateam unter der Leitung von Herrn Dr. Gabriel Simons, damaliger Leiter der Stelle für Rheinische Landeskunde beim Landschaftsverband Rheinland, in einem Film festgehalten.

Im Jahre 1982 fand im Rahmen der Festlichkeiten zur 700-Jahrfeier der Stadt Herzogenrath am Sonntag, dem 23. Mai 1982, ein historisches Armbrustschießen statt, an dem die Gesellschaft selbstverständlich teilnahm. Den Vogel holte der Kaiser Hans-Dieter Heinen von der Stange und erhielt aus der Hand des Stadtdirektors Herrn Römer den Silberpokal der Stadt. Am Sonntag, dem 30. Mai 1982, zog bei herrlichem Wetter ein Historischer Festzug durch die Stadt. Die St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 Herzogenrath mit ihren Pfeiljungen und Armbrustträgern führte die Gruppe der Schützen mit der St. Sebastianus Schuttersbroederschap 1617 Kerkrade und den Bruderschaften der Stadt Herzogenrath an.

Die Schützen legten schon immer Wert auf musikalische Begleitung bei ihrem Schießen. Schon in den Jahren 1806 und 1807 ließ man Musikanten aus Aachen kommen. Mitunter spielten auch Militärkapellen aus Aachen auf. Musik aus Aachen braucht die Gesellschaft heute nicht mehr. Seit mehr als fünf Jahrzehnten begleitet der Harmonie-Verein Cäcilia die Schützen alljährlich bei ihrem Schützenfest. So war es selbstverständlich, dass sie anlässlich des 125-jährigen Bestehens des Harmonie-Vereins Cäcilia, das im Juni 1983 gefeiert wurde, am Festabend ein Geschenk überreichten und auch an dem internationalen Festzug teilnahmen.

Im August 1983 feierte die befreundete St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Merkstein 1633 ihr 350-jähriges Bestehen. Mit vielen einheimischen, auswärtigen und ausländischen Schützenbruderschaft beteiligte sich die St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 Herzogenrath an einem Empfang und an dem großen Festzug. Sie konnte sich damit für die Teilnahme der Merksteiner Schützen an den eigenen Jubiläen revanchieren.

St. Mariä Himmelfahrt ist die Kirche der Schützen. Der Chor dieser Kirche feierte im Mai 1985 sein 125-jähriges Bestehen. Die Gesellschaft reihte sich mit einem Geschenk in die Schar der Gratulanten ein. Am 17. Dezember 1989 konnte der Schützenkapaln der St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 Herzogenrath, Herr Domkapitular Ewald Fuhren, das 25. Jahr seiner Tätigkeit als Pfarrer der Pfarre St. Mariä Himmelfahrt feiern. Es war eine Selbstverständlichkeit, daß „seine Schützen“ an den Festgottesdienst teilnahmen und bei dem folgenden Empfang ihre Glückwünsche überbrachten. Am 7. Juli 1991, am Schützenfestsonntag, beging Herr Domkapitular Fuhren das Fest seines 40 jährigen Priesterjubiläums. Die Gesellschaft feierte des festliche Hochamt mit und gratulierte anschließend ihrem Schützenkaplan herzlich.

Am Pfingstfest 1988 beging die St. Sebastiani Schützenbruderschaft des ehemaligen Ländchens zur Hedyen 1288 die Feier ihres 700-jährigen Bestehens. Die St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 Herzogenrath nahm am Ehrenabend und am Festzug dieser zweitältesten Schützenbruderschaft der Stadt Herzogenrath teil. Sie konnte somit den Besuch der Bruderschaft zu den eigenen Jubiläen erwidern.

Am Sonntag, dem 16. Juni 1996, standen die St. Sebastianus Schutterbroederschap Kerkrade und die St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 Herzogenrath Pate bei der Neugründung der St. Catharina-Gilde in Kerkrade-Holz. Unter den Ehrengästen sah man den Weihbischof von Roermond Monsignore René Maessen sowie den Aachener Dompropst Dr. H. Müllejans, der schon mehrfach Gast der Herzogenrather Schützen war. Bei dem Pontifikalamt unter freiem Himmel im Innenhof von Rolduc waren den beiden Schützengesellschaften Ehrenplätze zu beiden Seiten des Altares zugewiesen. Nach dem Gottesdienst lud die neue Gilde zum Umtrunk und später zu einem Imbiß ein. Mit dieser neugegründeten St. Catharina-Gilde Kerkrade-Holz pflegt die St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 Herzogenrath seitdem gute Beziehungen.

Im Jahre 2000 blickte die St. Sebastiani Armbrustschützen-Gesellschaft Anno 1250 Herzogenrath auf ihr 750-jähriges Bestehen zurück. So wurde dieses gewiß nicht alltägliche Jubiläum in einem diesem Anlaß entsprechenden, gebührenden und festlichen Rahmen gefeiert. Dieses Fest begang die Gesellschaft, die durch ihre Tradition so eng mit der Stadt Herzogenrath verbunden ist, mit Freunden und auswärtigen Gästen für die Bürger und mit den Bürgern dieser Stadt gemeinsam.